home

der reisende Ritter

Reise in das Baltikum

Meine Reise mit dem Wohnmobil in das Baltikum begann am 19.8.2005 um 11,00 Uhr in Bremen, nachdem ich zuvor aus Portugal gekommen war. Das Wohnmobil hat ein portugiesisches Kennzeichen. Versorgt hatte ich zuvor mit dem ADAC-TourSet, mit einer ausführlichen Karte von allen drei baltischen Ländern in der auch immer die deutschen Namen eingefügt waren, einem Marco-Polo-Reiseführer und einem sehr ausführlichen Reiseführer -Baltische Länder- von Claudia Marenbach aus dem Michael Müller Verlag.

1.Tag

Es ging auf der Autobahn Richtung Frankfurt/Oder, fuhr die Abfahrt Briesen ab und übernachtete an einen ruhigen Platz an einer Schleuse.

2. Tag

Von Frankfurt ging es weiter über Poznan (Posen), Bydgoszcz (Bromberg) nach Ilawa (Deutsch Eylau) wo ich dann auf einem bewachten Parkplatz übernachtete. Ich machte abends noch einen Spaziergang an dem wunderschönen See und setze mich dann auf die Seeterrasse eines Lokals um etwas zu trinken.

3. Tag

Die Reise ging weiter über unglaublich schlechte Straßen durch das wunderschöne Ostpreußen und Masuren über Olsztyn (Allenstein) nach Litauen. In Kaunas habe ich dann auf einem sehr lauten Autobahnrastplatz übernachtet, nachdem ich mich, ich weiß nicht wie viel mal in Kaunas verfahren hatte. Die Fahrt durch Litauen war etwas langweilig, die Gegend flach wie ein Brett und nur Wiesen und Felder zu sehen ab und zu mal ein kleines Gehöft. Allerdings waren die Straßen viel besser als in Polen. Bis zur lettischen Grenze nach Riga wo ich mir noch zusätzlich ausführliche Straßenkarten kaufte. Ich fuhr dann Richtung Talsi (Talsen) und habe von unterwegs meinen Bruder Alexander angerufen um ihn zu fragen wo denn Pussen liegt, weil ich es erst nicht auf der Karte finden konnte. Ca. 30 Kilometer hinter Talsi in Richtung Vintspils (Windau) ging es dann
rechts ab nach Puze (Pussen).


An der wunderschönen kleinen Kirche von Pussen habe ich dann auch das sehr gepflegte Grab meines Urgroßvaters mütterlicherseits, Wilhelm v. Seefeld gefunden. Vor dem Grabstein steht noch einmal eine Platte auf der auf lettisch puze muitas Barona fon Sefelda steht. Die Platte ist offenbar später hinzu gefügt worden. Ich bin dann noch etwas herum gelaufen und habe die wundervoll friedliche Atmosphäre genossen, den Duft des Grases und die Stille. Ich habe dann beschlossen direkt an der Kirche zu übernachten damit ich am nächsten Morgen noch einmal meinen Urgroßvater besuchen konnte.




4. Tag

Am nächsten Morgen habe ich noch einen Spaziergang zum Gut gemacht, ich wusste dass das Gutshaus nicht mehr steht aber man kann gut den Trümmerhaufen erkennen. Von der jetzigen Rückseite, die ursprünglich mal die Vorderseite gewesen sein muss, führt noch eine lange Allee zum Gut. Von dort ging es dann weiter nach Pope (Popen) einer der Behr`chen Ecken. An der Kirche von Pope, die im gleichen Stil erbaut ist wie die in Pussen nur etwas größer gibt es mehre Gräber der Herren von Popen und Schleck. Ein kleiner Teil Behr`chen Blutes fließt auch in meinen Adern.

Informationen zur Besitzerfolge von Pussen


Gutshof
Kirche von Pope.

Von dort ging es dann weiter zum Gutshof Popen. Das Herrenhaus ist sehr gepflegt, darin befindet sich wohl ein Internat oder Ähnliches, jedenfalls standen viele Autos und Fahrräder davor und es liefen viele Jugendliche herum. Die Nebengebäude sind sehr herunter gekommen und sind vermutlich auch nicht mehr zu retten.



Gutshof von Popen














Weiter ging die Fahrt nach Ventspils (Windau). Nachdem ich mich am Stadtrand in einem Supermarkt mit Lebensmittel und zwei Flaschen Tokaier versorgt hatte, fuhr ich weiter in Richtung Innenstadt. Dies war nicht so einfach, weil die Beschilderung doch etwas verwirrend ist. Schließlich habe ich doch die sehr schön restaurierte Ordensburg gefunden. Der Rest der Innenstadt besteht, bis auf wenige Ausnahmen, aus halb verfallenen Holzhäusern. Die meisten sind auch unbewohnt.













Ordensburg von Windau

russische Kirche von Windau













Von Ventspils ging es über die Landstrasse weiter nach Jürkaine, wo es einen herrlichen, kilometerlangen Sandstrand gibt. Mehrere Frauen suchten dort offenbar nach Bernstein, also habe ich es ihnen gleichgetan. Ich habe aber glaube ich nur gelbe Steine gefunden und einen winzig kleinen Bernstein. Ich habe mich entschlossen auf dem Parkplatz zu übernachten. Nachher kam noch ein Mann der auch den Müll einsammelte und hat von mir zwei Lat für die Übernachtung kassiert.













5. Tag

Über teilweise romantische Schotterpisten fuhr ich nach Liepaja (Libau), der Geburtsstadt meines Vaters.
Vorher machte ich noch einen Abstecher nach Pavilosta (Paulshafen).
Dort war aber nicht viel los, nur eine deutsche Segeljacht tuckerte von See her in die Flussmündung, wendete und fuhr wieder davon.


In dem sehr ausführlichen Reiseführer den ich mir vorher in Bremen gekauft hatte, steht das Libau keine sehr schöne Stadt ist. Es ist sicherlich immer wichtig zu sehen aus welchem Blickwinkel man eine Stadt betrachtet. Wenn man, wie in dem Reiseführer beschrieben die vielen halb verfallenen Holzhäuser sieht, kann man das auf jede Stadt in Lettland und Litauen und vermutlich auch Estland, da war ich noch nicht, beziehen. Ich jedenfalls bin viel herum gelaufen, so dass ich nicht mehr wusste wo mein Auto stand und ich lange suchen musste.



Ich finde Libau sehr schön, insbesondere den Markt, die evangelische Annen-Kirche und die katholische Joseph-Kathedrale. Als ich die menschenleere Annen-Kirche betrat, fing sofort die Orgel an zu spielen. Ich setze mich um dem Orgelspiel zu lauschen. Die aus dem 16 ten Jahrhundert stammende Kirche verfügt über eine fantastische Akustik. Ich musste mich umschauen um zu sehen wo sich überhaupt die Orgel befand, die Töne schienen von überall her zu kommen. Natürlich stand sie dort wo Orgeln in Kirchen immer zu stehen pflegen.







Die Menschen auf den Straßen und auf dem Markt machten alle einen sehr heiteren und weltoffenen Eindruck. Ich fühlte mich zu Hause und habe mich in Libau sehr wohl gefühlt.


Altar der Annenkirche





Von Libau aus fuhr ich weiter nach Aizpute (Hasenpoth) und habe mir die Reste der Ordensburg angeschaut. Teilweise ist das Mauerwerk ausgebessert aber leider nicht sehr gut ausgeführt und zum Teil auch artfremden Materialien, (Beton und Kalksandstein) diese Baumaterialien haben in mittelalterlichen Gebäuden nichts zu suchen. Eigentlich wollte ich Herrn v. Hirschheydt aufsuchen der, wie ich in einer deutschsprachigen baltischen Zeitung bei meiner Schwester vorher lesen konnte, in Aizpute lebt. Aber es war schon 19,30 Uhr und ich habe mir erst einmal einen ruhigen Platz für die Nacht gesucht und werde morgen die Suche beginnen.












Ordensburg in Aizpute

6. Tag

Nach einer etwas unruhigen Nacht, die Straße in Hasenpoth war doch stärker befahren als ich dachte, machte ich einen Spaziergang durch das sehr beschauliche Hasenpoth. Ich kam an dem Heimatmuseum vorbei in dem sich auch das Tourist-Info-Büro befindet. Ich fragte die sehr nette junge Dame, die nur lettisch sprach, nach der Adresse von Harro von Hirschheydt und sie konnte mir diese (Brivibas iela 5)auch sofort ohne langes Suchen geben. Sie zeigte mir noch auf dem Stadtplan wo das ist und fuhr hin. Auf mein Klingeln öffnete eine nette alte Dame die mich etwas auf lettisch fragte was ich natürlich nicht verstand und ich antwortete auf deutsch dass ich Herrn v. Hirschheydt suche. Es war Frau v. Hirschheydt aber ihr Mann war leider heute den ganzen Tag nicht da. Sie gab mir noch ihre Telefonnummer und ich ihr meine und ich werde in den nächsten Tagen noch einmal nach Aizpute fahren und versuchen über Herrn v. Hirschheydt zu erfahren wo sich der Bewershof befindet.
Herrenhaus von Katzdangen



Ich fuhr weiter nach Katzdangen und machte einen Spaziergang in dem wunderschönen Park. Das Herrenhaus ist sehr schön restauriert aber die jetzige Nutzung konnte ich nicht genau herausfinden. Hinter dem Herrenhaus lagen Unmengen von Holz, vermutlich Feuerholz für den nächsten Winter. Katydangen gehörte den Baronen v. Manteuffel gen. Szoege, die von der estländischen Stammfamilie abzweigen (laut Hinweis von Peter v. Manteuffel).






Ich fuhr weiter in Richtung Skrunda (Schrunden) und in dem Ort Sieksate stand das Schild Kalnmuizas Pils. Muizas heißt Herrenhaus oder Gutshof und Pils ist Burg oder Schloss. Es handelt sich um ein Herrenhaus vom Stil her offenbar aus dem 19-ten Jahrhundert dass gerade als Hotel ausgebaut wurde.





Kalnmuizas Pils

Weiter ging es nach Kuldiga (Goldingen). Im Reiseführer als auch im Reisebericht des Stern steht dass man am Wasserfall der Venta, dem Venta Rumba in Goldingen gut schwimmen gehen kann. Da ich auf Grund des warmen und schwülen Wetters dringend eine Abkühlung brauchte, beschloss ich diese Gelegenheit auszunutzen.



Nur war es etwas schwierig ins Wasser zu kommen, weil zu viele große und kleine Steine im Wasser lagen die zudem auch noch extrem glitschig waren. Da ich mir schon dreimal die Füße gebrochen hatte, war ich entsprechend vorsichtig.

Nach dem Bad habe ich eine lange Radtour durch Goldingen gemacht und mir diese gemütliche kleine Stadt angeschaut.

Auf einem Parkplatz am Fluss habe ich dann die Nacht verbracht und wachte auf als es anfing zu regnen und der Regen laut auf mein Autodach prasselte. Es regnete den ganzen Tag mehr oder weniger heftig weiter und so setze ich meine Fahrt nach ...



7.Tag



Kabile fort wo es ein wunderschönes Gut gibt dass gerade mit großem Aufwand renoviert wird, wie es mit den meisten Gütern und Kirchen gerade geschieht. Im Reiseführer steht dass dieses Gut bis 1810 den Behr`s gehört hat, ich konnte nur ein offenbar Rosen`ches Wappen entdecken.






Herrenhaus in Kabile

Die weitere Fahrt führte mich nach Talsi (Talsen) dem Geburtsort meiner Mutter. Talsen liegt auf neun Hügeln und würde früher auch nur neun Hügel genannt.













Es hörte gerade auf zu regnen und ich machte einen langen Spaziergang durch diese reizende Kleinstadt.

Endlich erreichte ich telefonisch Herrn v. Hirschheydt der mir aber auch nicht weiter helfen konnte. Er wusste nur dass der Bewershof, der ihm durchaus ein Begriff war, sich in Livland befindet und es in diesem Bereich schon 1840 Bauernaufstände gegeben hatte. Dass der Bewershof während der ersten Revolution 1905 abgebrannt und wieder aufgebaut wurde, hatte ich schon vor längerer Zeit in der "Baltischen Tragödie" gelesen. Er empfahl mir mich doch mal in einer der großen Bibliotheken in Riga zu erkundigen. Auf die Idee war ich auch schon gekommen und dies in den nächsten Tagen auch tun. Danach fuhr ich weiter in Richtung Riga und suchte mir einen abseits gelegenen Platz für die Nacht und wo ich auch, wie jeden Abend meinen Bericht weiter fortsetzen konnte.


8. bis 10. Tag

Ich fuhr weiter nach Riga auf einen Campingplatz der auf der anderen Düna-Seite gegenüber der Altstadt von Riga liegt. Zentraler ging es schon gar nicht mehr. Ich habe mich gleich für drei Tage einquartiert, weil ich davon ausging nicht so schnell heraus zu finden wo sich letztendlich der Bewershof befindet. Nachdem ich das Wohnmobil abgestellt und den Strom angeschlossen hatte, setze ich mich aufs Fahrrad und fuhr in die Stadt.







Ich bin in der Altstadt herum gelaufen, habe mir das Haus der livländischen Ritterschaft, die drei Brüder, die große und kleine Gilde und das Katzenhaus angeschaut.



Die Geschichte sagt dass ein reicher Kaufmann, es war nicht klar ob er Deutscher oder Lette war, nicht in die Gilde aufgenommen wurde. Darauf baute er ein großes Haus direkt gegenüber der großen Gilde und setzte auf das Dach eine Katze die der Gilde das Hinterteil zeigte. Darauf wurde er doch in die Gilde aufgenommen unter der Bedingung dass er die Katze umdreht.

Ich lief weiter zum Schwarzhäupterhaus in dem sich auch die Touristeninformation für ganz Lettland befindet und fragte bei einer netten jungen Dame die auch deutsch sprach nach dem Bewershof.



Sie gab sich große Mühe, sagte dass es wohl etwas länger dauern würde, schaute ins Internet, telefonierte und freute sich als sie mir genau sagen konnte wo sich der Bewershof befindet.



Etwa 90 Kilometer von Riga und zehn Kilometer von Kokenhusen entfernt.
Der Ort heißt Vecbebri und der Bewershof heißt Bebru pagast.







Da ich für drei Tage auf dem Campingplatz gebucht und auch schon bezahlt habe, werde ich erst am Dienstag dahin fahren und hoffentlich endlich mehr über meine Vorfahren erfahren.











Ich habe mir an den weiteren Tagen ausgiebig die Stadt angeschaut und auch an einer deutschsprachigen Stadtführung teilgenommen, die aber dermaßen schlecht war, dass diese wahrhaft kein Aushängeschild für Riga ist. Der Mann sprach zwar ganz gut deutsch, wusste aber nichts über die Geschichte Rigas. Ich wusste mehr als er und er hat dafür pro Person 6 Lat, das sind immerhin 8,50 Euro kassiert.







11. Tag

Von Riga ging es weiter nach Koknese (Kokenhusen) und von dort erst einmal weiter nach Vecbebri. Dies ist ein kleines Dorf und ich vermutete den Bewershof irgendwo in der Umgebung. Ich fuhr einfach durch die Gegend und fand wunderschöne Landschaften aber keinen Bewershof.



Weiter fuhr ich von Vecbebri in eine andere Richtung und fand einen alten Friedhof mit einer winzigen Kapelle. Die Kapelle sah von innen aus wie eine Garage. Neben der Kapelle befanden sich die Reste eines Mausoleums und eine große Sandstein-Grabplatte auf der aber nichts mehr zu erkennen war und direkt daneben eine mit Schmiedeeisernen Gittern eingefasste Grabstelle mit einer großen Marmorplatte auf der geschrieben stand " Erbbegräbnis der Freiherren von Tiesenhausen, Neu-Bewershof. Den Neu-Bewershof habe ich zwar nicht gefunden aber ich wusste dass ich hier richtig war.




Ich suchte weiter und landete plötzlich wieder in Kokenhusen, worauf ich mir erst einmal die Ruine der Ordenburg anschaute.


Die Anlage ist sehr groß und lag ehemals auf einem Berg bis man die Düna anstaute und die verschütteten Kellergewölbe unter Wasser liegen.

Trotzdem noch sehr beeindruckend.



Es gab dort etliche Schautafeln, auch eine von der näheren Umgebung und dort entdeckte ich dass in dem Ort Vecbebri muiza stand.


Also bin ich wieder schnurstracks nach Vecbebri gefahren, habe mir allerdings noch die Kirche von Kokenhusen angeschaut.





In Vecbebri fuhr ich in den Ort und landete direkt am Bewershof. Ich habe ihn noch einmal mit dem Foto verglichen, es ist eindeutig der Bewershof.





Das Herrenhaus und die dazugehörigen Nebengebäude und das Verwalterhaus liegen in einen ca. 3-4 ha großem Park.

Informationen zur Besitzerfolge





Alle anderen Gebäude im Dorf sind relativ neu. Ich habe eine Kirche gesucht aber nicht gefunden bis mir schließlich klar wurde dass es ursprünglich nur das Gut gegeben hatte und das Dorf hinterher drum herum gebaut wurde.




Warum es so viele weitgehend leerstehende Wohnblöcke gibt wurde mir klar als ich einen Platz für die Nacht suchte.
Zwischen den Friedhöfen führte von der Schotterpiste plötzlich eine Asphaltstraße ab die zu riesigen leerstehenden Hallen führte, davor war eine große asphaltierte Fläche an der schon überall das Gras durchbrach und anschließend eine mehrere hundert Meter lange Rollbahn.
Hier war wohl einmal ein russischer Militärflugplatz mit Reparaturwerkstätten o. Ä. gewesen.
Jedenfalls erschien mir die Rollbahn als ruhig genug und ich benutzte sie als Platz für die Nacht.


12. Tag

Nachdem ich das Johannson- Museum in Vecbebri besucht hatte fuhr ich weiter über Kokenhusen weiter nach Jekabpils (Jakobsburg) und Rezekne (Rossiten).
Das dies Rossiten war habe ich erst später festgestellt, sonst hätte ich dort angehalten um es mir anzuschauen, so fuhr ich jedoch weiter nach Balvi (Bolva) und dann weiter in Richtung Alüksne (Marienburg).
Etwa 20 Kilometer vor Alüksne habe ich mir einen ruhigen Platz für die Nacht gesucht. Morgen will ich erst einmal bis nach Narva fahren und von dort aus weitersehen.


13.Tag

In Alüksne (Marienburg) und habe mir ein Burgähnliches Gebäude angeschaut und auch fotografiert.

Bin weiter in Richtung Estland gefahren und an der Grenze gab es die erste große Überraschung. Die Grenzer hatten noch nie einen portugiesischen Kfz-Schein gesehen und wollten ihn nicht anerkennen bzw. meinten das Ausstellungsdatum wäre die Begrenzung der Gültigkeitsdauer. Ich versuchte ihnen klar zu machen dass das Auto erst in diesem Jahr in Portugal zugelassen wurde und vorher ein deutsches Kennzeichen hatte. Auch das Kennzeichen kam ihnen suspekt vor, weil da auch Jahr und Monat der ersten Zulassung, 88/01 drauf steht. Das hatten sie wohl auch noch nie gesehen und glaubten dies sei ein Saisonkennzeichen. Jedenfalls hat es anderthalb Stunden gedauert bis ich endlich weiter fahren konnte.




Ich fuhr in Richtung Tartu (Dorpat). Dorpat ist eine ziemlich große Stadt und ich konnte in dem Verkehrsgewusel nicht erkennen wo es in die Innenstadt ging, also bin weiter in Richtung Narva gefahren. Unterwegs gab es immer wieder Schilder die vor Elch-Wechsel warnten aber außer den Elchen auf den Schildern habe ich keine gesehen.





Ich fuhr am Peipussee entlang der so groß ist dass man sich am Meer wähnt, weil man das andere Ufer nicht sehen kann.






In Narva habe ich auf dem Parkplatz direkt am Grenzübergang nach Russland angehalten und habe mich zu Fuß aufgemacht um die Stadt zu erkunden.



Ich habe mir die sehr imposante Festung angeschaut, das Museum war leider schon geschlossen und auch einen Blick auf die Festung Iwangorod geworfen die genau gegenüber liegt und wohl genauso groß ist.
















Ich fuhr weiter an der Narva entlang nach Narva-Jöesuu (Hungerburg) und suchte mir danach mitten im Wald einen ruhigen Platz für die Nacht.



14.Tag 2. September

Weiter ging es in Richtung Tallin, fuhr aber dann nach Kolga mois ab.
Das Gut Kolga, dass nach den Hinweistafeln das größte Gut Estlands war und wohl auch noch ist, gehört heute wieder seinen ehemaligen Besitzern, den Grafen Stenbock.
Es macht immer noch einen sehr sanierungsbedürftigen Eindruck aber einige Nebengebäude sind schon restauriert.






In Tallin herrschte ein Höllenverkehr mit derart rücksichtslosen Autofahrern wie ich sie noch nicht einmal in Madrid oder Paris erlebt habe.
Völlig entnervt habe ich dann mein Auto in der Tartu-Str. abgestellt und bin mit dem Fahrrad weiter gefahren, was sich dann doch als gewagtes Unternehmen herausstellte, weil die Autofahrer auf Fahrradfahrer überhaupt keine Rücksicht nehmen.



Ich fing an diese Stadt zu hassen bevor ich sie überhaupt kannte. Ich habe sonst auch nur zwei weitere Fahrradfahrer gesehen und die benutzten auch nur den Bürgersteig, der aber auch, wie ich sehen konnte von Taxis benutzt wird.



Unter diesen negativen Vorzeichen habe ich mir die Altstadt angesehen, wurde immer wieder von jungen Damen belästigt die Reiseführer und Postkarten verkaufen wollten.

Diese traten in solchen Mengen auf, dass es zu einem wahren Hindernislauf wurde und sobald man vor einem Baudenkmal stehen bleibt um es sich genauer anzuschauen, wird man schon wieder zum Kauf irgendwelcher unnützer Dinge genötigt.



Ich habe mir dann an einem Stand einen deutschen Reiseführer über Estland und in einem Geschäft Briefmarken und Postkarten gekauft.

Aber mein Aufenthalt in Tallin war aus oben beschriebenen Gründen nur von kurzer Dauer.


15.Tag

Ich fand mitten im Wald einen wunderschönen ruhigen Platz für die Nacht. Merkwürdigerweise führte eine Asphaltstraße in den Wald, die dann aber im Nichts endete.
Über weitere Strassen kam ich an ein altes Kloster und als ich es fotografieren wollte waren die Batterien leer. Ich wechselte sie aus aber die neuen waren auch leer also musste ich erst einmal die Batterien aufladen damit ich wieder fotografieren konnte. Das dauert natürlich seine Zeit und solange wollte ich nicht warten.

Ich las den in Tallin gekauften Führer "Estland" durch und stellte fest:
Wenn man sich eingehender mit der Geschichte der baltischen Völker befasst, kann man nicht mehr stolz darauf sein ein baltischer Adliger zu sein.
Die Ordensritter von denen wir schließlich abstammen haben freie Völker überfallen, ihr Land geraubt und sie in die Leibeigenschaft geführt. Sie haben nur das "Recht des Stärkeren" ausgeübt.
Wenn man es objektiv betrachtet war das was uns geschah nur die logische Konsequenz unseres eigenen Handelns, bzw. das unserer Vorväter. Wir können die Vertreibung "aus der Heimat" bedauern aber nicht als Unrecht betrachten.

Recht geschieht nicht durch Unrecht.



16.+17.Tag


Ich bin durch Estland weiter gefahren bis ich wieder nach Lettland kam, die Kontrolle an der Grenze dauerte nur eine Minute und fuhr weiter bis ich zu einem Hinweisschild eines Campingplatzes kam.
Ich fuhr hin aber es war nur ein Platz mit Stromanschluss und einem Wasserhahn und zwei Plumpsklos, keine Dusche allerdings mit Strandnähe und mindestens einer Milliarde Moskitos.



Außer mir war noch ein Wohnmobil aus München mit einem netten älteren Ehepaar und ein VW-Bus aus Dresden mit einem jungen Mann, zwei jungen Frauen, einem Kind und zwei großen Hunden auf dem Platz.
Der junge Mann duzte mich sogleich was ich als angenehm empfand. Ich brachte noch eine Flasche portugiesischen Rotwein mit und wir saßen den ganzen Abend am Lagerfeuer und redeten über Gott und die Welt, im wahrsten Sinn des Wortes.


Als meine Füße zu kalt wurden ging ich in mein Wohnmobil, schrieb noch diesen Tagesbericht und dann ins Bett.



Die jungen Leute überredeten mich doch noch einen Tag länger da zu bleiben, offenbar fanden sie mich so nett dass sie noch länger meine Gesellschaft genießen wollten was mir natürlich gefiel.
Ich machte noch einen längeren Spaziergang am Strand, sammelte Holz für das abendliche Lagerfeuer, machte mir was zu Essen, las noch ein bisschen und so ging der Tag rum.



Abends saßen wir noch am Lagerfeuer und unterhielten uns über alles Mögliche. Tom, Steffi und Johanna erbaten sich noch meine Adresse in Portugal, weil sie nächstes Jahr eventuell mal nach Portugal reisen wollten.






Außerdem gaben sie mir ihre Adresse in Dresden und bestanden darauf dass ich sie doch unbedingt mal besuchen sollte.



18.Tag





Ich fuhr nach Cesis (Wenden) um mir die größte Ordenburg im Baltikum anzuschauen, bedachte aber nicht dass die meisten Museen etc. Montags geschlossen haben.












So konnte ich mir die Ordenburg in Wenden leider nur von außen anschauen. Sie wird gerade renoviert und soll wieder vollständig aufgebaut werden.






Vorher war ich noch in der Johannes-Kirche die immerhin aus dem 13-ten Jahrhundert stammt und in der viele der Ordensherren begraben sind.
Es waren aber mir unbekannte Namen, bis auf Wolther von Plettenberg.









Weiter ging es nach Sigulda (Segewold) wo ich erst einmal auf den Campingplatz fuhr der sehr schön an der Gauja liegt und incl. Dusche und sehr sauberen Toiletten 6 Lat kostet.



Ich habe mich gleich auf mein Fahrrad gesetzt und bin zu der Bischofsburg Turaida (Treyden) gefahren.



Das war etwas anstrengend, weil die Steigung immerhin 11% betrug. Der Eintritt kostete 1,20 Lat aber es hat sich gelohnt.

Auch diese Burg wird gerade wieder vollständig aufgebaut.









Habe mir außerdem noch das Grab "der Roze von Turaida" angeschaut. Das ist schon eine sehr rührselige Geschichte.












Skulptur im Park


19.Tag



Ich fuhr noch einmal nach Vecbebri (Bewersdorf), weil ich glaubte an einem Gebäude ein Schild gesehen zu haben was auf eine Gemeindeverwaltung o. Ä. hindeutete. Ich wollte mich nach der Geschichte des Hauses erkundigen.
Es war aber keine Gemeindeverwaltung sondern der Kindergarten und dort konnte mir niemand weiter helfen.



Also fuhr ich weiter zum Bewershof, ging hinein. Eine junge Frau fragte ich ob sie englisch oder deutsch spricht, sie konnte weder das eine noch das andere aber telefonierte sogleich und es kam eine junge Lehrerin die recht gut deutsch sprach.
Ich trug ihr mein Anliegen vor und erklärte ihr auch dass meine Familie lange den Bewershof besessen hatte. Sie nahm dann auch gleich ihr Telefon und sagte dass gleich die Direktorin der Schule käme, die auch deutsch versteht und vielleicht etwas mehr weiß.
Die wusste leider auch nicht sehr viel, sagte aber dass eine Lehrerin des Technikums das Bienenmuseum leitet und dort einige wenige Unterlagen über den Bewershof hat.
Während wir auf diese Frau warteten erklärte mir die Direktorin wie sehr sie sich freut mich als einen Nachfahren der früheren Besitzer kennen lernen zu dürfen, weil sie selber ein sehr großes Interesse an der Geschichte des Hauses hätten.

Sie erzählte auch dass einige Schülerinnen mal im Rahmen eines Workshops eine Dokumentation über das Haus erstellt hätten.
Diese wollten sie übersetzen und mir auch zuschicken. Ich erklärte ihnen auch dass mein Hauptinteresse daran liegt zu erfahren was vor 1721 war.
Sie wollen versuchen alle Unterlagen zusammen zu bekommen und wollen mir diese auch zuschicken. Im Gegenzug habe ich versprochen ihnen alle Unterlagen zu schicken die ich habe.

In dem Haus befindet sich eine Internatsschule für Kinder aus sozial schwachen Familien, überwiegend Alkoholproblematik und Arbeitslosigkeit. Als ich erzählte dass ich in meinem Beruf als Sozialarbeiter überwiegend mit Drogen- und Alkoholabhängigen gearbeitet hätte und diese Problematik zur Genüge kenne, stieg ich offenbar noch mehr in ihrer Achtung.

Zwischendurch kamen immer wieder Lehrer in den Raum, es war offenbar das Konferenzzimmer und sagten immer laut und deutlich "Guten Tag", offenbar hatte es sich herum gesprochen welch ein Besuch dort sitzt.
In der Zwischenzeit kam auch die Leiterin des Bienenmuseums und wir gingen dort hin. Die Direktorin kam nicht mit, wohl aber die deutsch-sprechende Lehrerin.
Im Bienenmuseum gab es nur Dokumentationen ab 1927, weil das Haus ab dann eine Schule war.

Ich bekam von ihr noch einen Packen Notizblöcke mit dem Foto des Bewershofes vorne drauf, ein Foto von alten abgebrannten Haus, das alte Herrenhaus war ganz aus Holz gebaut und das neue ist aus Stein und einen Prospekt von Vecbebri aus dem auch hervor geht dass der Bewershof offenbar seit 1433 besteht. ( Es stellte sich im Nachherein heraus das der Ort 1433 Einwohner hat, ich hatte dies nur falsch verstanden.)
Sie erzählte außerdem dass es ein Buch aus dem Jahr 1913 gibt mit dem Titel "Letten und ihre Herren" von einem Letten geschrieben, in dem auch der Bewershof beschrieben ist. Sie vermutet dass auch die Wilcken darin vorkommen.
Auf meine Frage nach der Kirche erfuhr ich dass die ev. Kirche in Kokenhusen zuständig für Vecbebri ist.

Ich fragte noch Neu-Bewershof und erfuhr dass dieser Jaunbebri heißt aber dort nur noch Ruinen vorhanden seien und zeigten mir auch gleich auf der Karte wo dies ist.



Nachdem ich mich verabschiedet hatte, fuhr ich zum Neu-Bewershof und fotografierte die Ruinen, auch der Neu-Bewershof muss riesige Ausmaße gehabt haben.

Das Herrenhaus und auch die Nebengebäude waren viel größer als der Alt-Bewershof.


Informationen zur Besitzerfolge






Weiter führte mich der Weg nach Odziena wo es ein merkwürdiges Herrenhaus mit Zinnen und Turm und Türmchen und allerlei Schnick-Schnack aus der Zeit des Historismus gibt.
Ziemlich verfallen aber zum Teil trotzdem noch bewohnt.








Ich fuhr weiter nach Meznothe (Mesothen) das sehr schön restaurierte Schloss der Fürstin Lieven, welches sie von der Zarin als Belohnung bekam, weil sie die Gouvernante ihrer Enkelkinder war.










Über Bauska wo ich mir, von außen, die Odenburg und das alte Schloss des Herzogs von Kurland anschaute, ein gemeinsamer Komplex, fuhr ich weiter nach Pils-Rundale (Ruhenthal) dem neuen Schloss des Herzogs von Kurland.

Ich machte noch einen langen Spaziergang in der Nähe des Schlosses und fotografierte es im vergehenden Tageslicht.



Ordenburg und altes Herzogschloss




Runddale bei Nacht


20.Tag




Ich übernachtete in meinem Wohnmobil auf dem Parkplatz des Schlosses und ging sofort am nächsten Morgen das Schloss zu besichtigen.



Ich besichtigte es eingehend und ausgiebig und machte etliche Fotos.
















Schloss Rundale




Im Kellergang fand ich direkt neben dem Wappen der Transehe-Roseneck eine Steintafel mit einem Wappen das verblüffende Ähnlichkeit mit dem unsrigen hat. Der Stamm hat mehr Laub aber die Abbildung des wilden Mannes ist absolut identisch. Neben diesem Wappen ist eines mit einem Hahn oder ähnlichen Vogel zu sehen. Als Erklärung stand daneben auf deutsch "Wappen des Riga`er Bürgers Meyer und ein unbekanntes Wappen, wobei ich nicht weiß welches das Wappen des Herrn Meyer ist. Ich werde Herrn Langmanis mal anschreiben und versuchen des Sachverhalt aufzuklären.





Nach Beendigung der Besichtigung fuhr ich in Richtung Litauen um mir dort den Berg der Kreuze anzuschauen








und fuhr danach weiter in Richtung Heimat und damit ist meine "Reise ins Baltikum" beendet.